Krankheiten

Botrytis cinerea (Grauschimmel, Grauschimmelfäule) – Pilzkrankheiten im Weinbau #3

Botrytis cinera - Grauschimmel bzw. Grauschimmelfäule an Trauben

Botrytis (Botrytis cinerea) ist ein Schimmelpilz, welcher beträchtliche Schäden an verschiedensten Kulturpflanzen verursachen kann. Hierzu zählen neben den Weinreben (Vitis vinifera) zum Beispiel auch Obstbäume oder Zierpflanzen. Keltertrauben wie beispielsweise Spätburgunder, Chardonnay oder Semillon sind dabei aufgrund ihres hohen Zuckergehalts meistens besonders anfällig für Botrytis. Zu den markantesten Symptomen eines Befalls mit Botrytis zählt ein gräulicher Pilzrasen (siehe Abb. ). Aus diesem Grund wird Botrytis häufig auch Grauschimmel, Grauschimmelfäule oder Graufäule genannt.

Wie infiziert Botrytis die Weinrebe?

Der Lebenszyklus des Botrytis-Pilzes beginnt nach der Überwinterung ausgehend von seiner widerstandsfähigen Dauerform (Sklerotium). Diese findet sich beispielsweise in Pflanzenresten vom Vorjahr wieder. Zusätzlich kann unter milden Klimabedingungen das Pilzgeflecht (Myzel) den Winter auch in der Rinde der Weinrebe überleben. Sowohl das Sklerotium als auch das Myzel produzieren während längerer Nässephasen ab dem Frühjahr Sporen (Konidien). Diese Sporen können dann frisches Pflanzengewebe infizieren.

Die Primärinfektion der Grauschimmelfäule kann schon während der Blüte geschehen. Besonders anfällig für Infektionen sind beispielsweise die Fruchtknoten, die Narbe aber auch die Blütenkäppchen (siehe Abbildung 1). Innerhalb des infizierten Gewebes kann sich nun erneut ein Myzel bilden. Diese kann später im Jahr wiederum Konidien bilden. Wenn Infektionen von diesen, später im Jahr gebildeten, Konidien ausgehen, werden diese auch als Sekundärinfektionen bezeichnet. Häufig treten diese Sekundärinfektionen jedoch erst mit dem Einfärben der der Beeren auf (ab BBCH 83), da vorher die noch jungen Beeren von Natur aus eine höhere Resistenz gegen Botrytis aufweisen.

Infektion mit Botrytis während der Blüte

Abb. 1: Die Blütenkäppchen (1), der Blütenboden/die Blütenachse (2), die Narbe (3) und der Fruchtknoten sind besonders anfällig für eine Infektion mit Botrytis.

Welche Faktoren begünstigen eine Infektion mit der Grauschimmel?

Ein feuchtes-warmes Mikroklima ist besonders förderlich für die Entwicklung einer Botrytis-Epidemie. Während, wie oben erwähnt, lange Blattnässe-Phasen wichtig für die Sporenkeimung und die Infektion mit Botrytis sind, benötigt das Myzel-Wachstum innerhalb des Pflanzengewebes ausschließlich hohe Luftfeuchtigkeit jedoch keine Blattnässe. Neben diesen mikroklimatischen Einflussfaktoren spielen noch Faktoren, wie Blütenreste in den Trauben, Kompaktheit der Weintrauben oder die Verletzungen von Weintrauben durch beispielsweise Hagelschlag eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der Grauschimmelfäule. 

Da Botrytis cinerea ein Schwächeparasit ist, sind Blütenreste, welche sich zwischen den Beeren verfangen, und beschädigte Trauben ein beliebter Ort für eine Botrytisinfektion. Bilden diese Infektionen ein Myzel welches später im Jahr zu sporuliert, kann nun leicht das nahegelegene Traubenmaterial infiziert werden. Sind die Trauben nun noch zusätzlich kompakt gebaut (keine lockere Traubenstruktur), fallen die mit Botrytis infizierte Beeren nicht einfach auf den Boden, sondern verbleiben in der Traube. Dadurch wird der Infektionsdruck auf die noch gesunden Beeren in der Weintraube weiter erhöht.

Die Kompaktheit der Trauben wird unter anderem durch hohe Niederschläge nach der Blüte gefördert, da durch diese mehr Wasser in die Trauben gelangt. Im Gegensatz dazu fördern Niederschläge während der Blüte (Verrieselung der Blüte), aber auch niedrige Temperaturen in diesem Zeitraum (<15° C), zu einer lockeren Traubenstrukur. In der Forschung wird sogar vermutet, dass eine Verrieselung der Blüte den Befall mit Botrytis am Ende der Saison mindert und das obwohl die feuchten Witterungsbedingung während der Regenperioden zunächst die Infektionsgefahr erhöht (https://oeno-one.eu/article/view/36). Die durch die Verrieselung erzeugte, lockere Traubenstruktur reduziert nämlich für die restliche Saison die Infektionsgefahr und überkompensiert so den Einfluss  der Niederschläge auf das Infektionsgeschehen während der Blüte.

Botrytis Schadbild – Grauschimmelfäule, Sauerfäule, Edelfäule & Co.

Schon Knospen und junge Triebe können mit Botrytis befallen sein. Bräunliche Verfärbungen, vertrocknetes Pflanzengewebe sowie ein gräulicher Pilzrasen deuten auf einen Befall hin. Auf jungen Blättern äußert sich der Befall vor allem durch nekrotische Flecken. Werden Gescheine infiziert, so entstehen auf der Oberfläche der Blütenstiele und Blütenkäppchen braune, manchmal sogar schwarze Flecken. Sobald die Reife der Weintrauben begonnen hat, hat der Botrytispilz leichtes Spiel und kann die gesamte Weintraube befallen. Hierbei wird dann der markante gräuliche Watteüberzug des Myzels und der Konidien der Grauschimmelfäule sichtbar (siehe Abb. 6).

Häufig entwickelt sich ein Botrytisbefall in der Weintraube von innen nach außen. Blütenreste, die innerhalb der Traube verbleiben, begünstigen die Entwicklung eines solchen Infektionsherdes (siehe oben). Hierdurch kann es auch zur Infektion des Stielgerüsts der Traube kommen (Stielfäule). Die Stielfäule führt zu einer Unterversorgung der Beeren, welche durch lila und später braune Trauben sichtbar wird (siehe Abb. 2 – 4). Bei starker Stielfäule können Trauben sich sogar von der Rebe lösen und zu Boden fallen.

Sofern Beeren noch vor der Reife mit Botrytis befallen werden, spricht man auch von der sogenannten Sauerfäule. Die Sauerfäule wird oft begleitet von weiteren Infektionen durch andere Pilzen und Bakterien, die zusätzlichen Schaden an den Weintrauben anrichten können. Ab der vollständigen Reife der Trauben wird hingegen auch von der Edelfäule gesprochen, da ein Befall mit Botytis zu diesem Zeitpunkt unter Umständen sogar erwünscht ist (süße Weißweine).

Quelle: HS Geisenheim

Konventionellen Pflanzenschutzmaßnahmen gegen Botrytis

Im konventionellen Weinbau kommen häufig synthetische Fungizide zur Bekämpfung von Botrytis zum Einsatz. Hierbei sind Wirkstoffe wie Fenhexamid, Fludioxonil oder Pyrimethanil wichtige Fungizide gegen einen Befall mit Botrytis. Wichtige Termine für den Einsatz dieser Botrytizide sind die abgehende Blüte (BBCH 68), der Beginn des Traubenschlusses (BBCH 77) sowie der Beginn der Reife (BBCH 81). Achtung:  Im Sinne eines guten Resistenz-Managements ist darauf zu achten, dass es bei aufeinanderfolgenden Pflanzenschutzmaßnahmen Fungizide von verschiedenen Resistenzklasse mit unterschiedlicher Wirkweise eingesetzt werden. 

Ökologische Maßnahmen gegen Grauschimmel

Neben diesen konventionellen Methoden zur Eindämmung der Grauschimmelfäule gibt es zahlreiche biologische und kulturtechnische Maßnahmen einer Entwicklung des Grauschimmels vorzubeugen. Kaliumhydrogencarbonat (Backpulver) zeigt beispielsweise eine gute Wirkung gegen Botrytis für den Fall, dass der Krankheitsdruck nicht zu hoch ist. Kürzlich wurde auch ein positiver Effekt von Calciumpropionat bei der Bekämpfung von Botrytis festgestellt. Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es jedoch noch kein Pflanzenschutzmittel mit Calciumpropionat als Wirkstoff, welches für den Einsatz im Weinbau zugelassen wurde.

Im Bereich der Kulturtechnik können Maßnahmen, die eine hohe Luftfeuchtigkeit vermeiden und eine Durchlüftung fördern, wie z.B. das Entblättern der Traubenzone, präventiv gegen einen Botrytisbefall wirken. Zusätzlich kann der Infektionsdruck während der Reife schon frühzeitig durch das Entfernen von Blütenresten (Ausblasen nach der Blüte) vermindert werden. Darüber hinaus wird die Infektionsgefahr reduziert, wenn eine lockere Traubenstruktur über Maßnahmen, wie z.B. das Teilen der Trauben, gefördert wird. Direkte Sonneneinstrahlung auf Gescheine, Blüten und junge Beeren (BBCH 53 – BBCH 73) kann wiederum die Resistenz gegen Botrytis während dieser Vegetationsperiode erhöhen. 

Wie kann eine Botrytis-Prognose Winzer bei der Entscheidungsfindung unterstützen?

Die Art der Prognose von Botrytis unterscheidet sich deutlich von Prognose von Peronospora und Oidium. Peronospora- und Oidiumprognosen unterstützen Weingüter beim Abschätzen des Infektionsdrucks und Befallsrisikos der jeweiligen Krankheit in den kommenden Tagen. Falls Infektionen vorhergesagt sind, wird gegebenenfalls eine (neuerliche) Pflanzenschutzmaßnahme im Vorfeld zu diesen Infektionenstagen notwendig.

Im Gegensatz dazu geht es bei der Botrytis-Prognose darum abzuschätzen, ob vergangene und kommende Witterungsperioden (Zeiträume von mehreren Tagen und Wochen) einen frühen Start einer Botrytis-Epidemie am Ende der Saison begünstigen. Stehen die Zeichen gut für einen frühen Start der Epidemie, dann sollten die Maßnahmen, die einen verzögerten Start der Epidemie begünstigen (siehe oben), in Betracht genommen werden.

Prognosemodelle können von beispielsweise vom staatlichen Institutionen bezogen werden (bspw. VitiMeteo). Für eine detailliertere Abschätzung bietet VineForecast Prognosen für die gesamte Betriebsfläche an, ohne dass dafür Wetterstationen erworben werden müssen.

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Klimaphysiker & Betriebswirt

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